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Sprache und Literatur => Dialekt, Hochdeutsch und andere Fremdsprachen => Thema gestartet von: Margaretner am 17. April 2010, 14:00:46

Titel: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 17. April 2010, 14:00:46
Auf bookcrossing.at hatten wir einen Thread, der sich mit Sprüchen aus dem Alltag befasste. Da ich ja im Gastgewerbe tätig bin und dazu auch noch Wiener bin, kommen meine Beiträge naturgemäß aus Wiener Beisln, Kneipen und dergleichen finsteren Abgründen. Aber Alltag ist natürlich überall dort, wo wir auch sind. Ich freue mich schon auf Eure Beiträge!
In diesem Sinne, auf ein Neues.

Viele dieser kleinen Anekdoten aus dem Beisl-Alltag fasse ich gerade in einem Buch zusammen, was aber nicht heißen soll, dass sie nicht schon vorab hier zu lesen sind.
Hier eine kleine Unterhaltung zwischen Gast und Kellner, die uns zeigt, dass man mit einem Minimum an Vokabeln ein Maximum an Information, oder in diesem Fall "Wissen", herausholen kann - zumindest in gewissen Kreisen in gewissen Stadien des Alkoholkonsums.

Am End waaß kaana nix.

Gast: „Jetzt hob i zwaa Bier, oda?“
Kellner: „Jo, Du host jetzt zwaa Bier!“
Gast: „Sog i jo! I waaß jo, dass i zwaa Bier hob!“
Kellner: „Des is guat, dass Du des waaßt! I waaß a, dass Du zwaa Bier host!“
Gast: „Daunn san ma scho zwaa, de des wissn!“
Kellner: „Des is eh guat, fois aana von uns zwaa des vagisst!“
Gast: „Genau! Daunn waaß des imma no da aundare! Weu, waunn a jeda a bissl wos waaß, is des
bessa ois waunn kaana gor nix waaß!“
Kellner: „I waaß!“


Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 3komma14 am 17. April 2010, 16:48:07
:)
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 22. Juni 2010, 14:29:33
Gestern erlebt:

Gast: "Ich muss jetzt etwas in mich gehen."
Kellner: "Vo mir aus kaunnst glei durtbleibn!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 28. Januar 2011, 10:47:45
Es ist immer wieder lustig in einem Beisl den Leuten beim Kreuzworträtseln zuzuhören...

Gast1: "Wer wor de Geliebte vom Ödipus? (zählt) Aans, zwaa, drei ... siebn Buchstobn.
Kellner: "Iokaste."
Gast2: "Dazöö eam kaan Bleedsinn! De Iokaste wor jo sei Muada!"
---------
Gast1: "Bestimmter Kirchensonntag ... da zweite Buchstob is a "a"
Gast2: "Karsamstag!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 03. Februar 2011, 15:35:01
Ein Gast, der von einem Tisch an die Bar wechseln wollte (lästig war er auch) ...

Gast: "Hom S' wos dagegen, waunn i an Plotzwechsl moch?"
Kellner: "Des is ma wurscht. Von mir aus kennan S' aa an Lokalwechsl mochn!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 3komma14 am 03. Februar 2011, 16:32:23
Kellner: "Des is ma wurscht. Von mir aus kennan S' aa an Lokalwechsl mochn!"

So ein unfreundlicher Kellner!  ;)
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 03. Februar 2011, 18:52:12
Ich weiß Pi. Ich glaube, wir kennen ihn beide. ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Jack am 03. Februar 2011, 21:40:47
 :lol:
Danke
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 25. Februar 2011, 15:01:52
Unlängst in einem Wiener Beisl.
Ein Gast betritt das Lokal und hat eine Suppentasse samt dampfendem Inhalt in den Händen. Die Suppe hat er sich im benachbarten Chinarestaurant besorgt. Er setzt sich an einen Tisch und beginnt gemütlich die Suppe zu löffeln. Ein fremder Gast sitzt an der Bar und fragt den Kellner, dem das ganze Prozedere scheinbar kalt lässt:

Gast: "Tschuidign S', oba hom Sie des net mitkriagt, dass der do mit ana Suppn einakumman is?"
Kellner: "Jo, hob i eh."
Gast: Jo oba ... ma kaunn do do net einakumman und afoch a fremde Suppn essn!"
Kellner: Des is ma wurscht ... solaung a net mit an Fonduegschirrl einakummt!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 10. Mai 2011, 23:54:47
Muttertag ist vorbei, die Blumen dürften auch schon verwelkt sein. Unlängst gehört und mich sehr gewundert ...

"Waunn i heit haamgeh und mei Oide hot scho wieda nix kocht, zaah i s' bei de Hoor zum nächstn Wirtn!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 26. August 2011, 11:14:21
Neulich im Beisl:

Gast: "Wos kost' des Ochtl?"
Kellner: "Aan Euro dreißg."
Gast: "Do host zwaa Euro, dei freindlichs Gsicht muass i jo aa mitzoihn!"
Kellner: "Miassn S' net, is eh net ehrlich gmaant!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 26. August 2011, 11:23:14
Neulich im Beisl:

Gast: "Wos kost' des Ochtl?"
Kellner: "Aan Euro dreißg."
Gast: "Do host zwaa Euro, dei freindlichs Gsicht muass i jo aa mitzoihn!"
Kellner: "Miassn S' net, is eh net ehrlich gmaant!"

 :lol:
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 05. September 2011, 13:19:14
Dieses Gedicht gehört auch irgendwie zum Beislalltag, auf jeden Fall aber gehört es zu den Dingen, an denen ich zur Zeit arbeite: Eugen Roth Auf Wienerisch

Der Gast – Harald Pesata

A Mensch, der nie wos Beeses wüü,
bestööt im Wirtshaus a Menü.
Jetzt wort a auf sein klaanan Tisch,
wia jedn Freitog auf sein Fisch.
Er schaut in olla Söönruah,
dem Kööna bei da Hockn zua,
wia si der de Schuach vabiagt,
dass jeda sei Bestöllung kriagt.
Noch ana Zeit, vom Hunga plogt,
da Mensch a leises „Bittschee“ sogt;
wos oba leida kaan tangiert,
drum scho a bissl echauffiert –
obwoih eam sowos gor net gfreit –
da Mensch jetzt laut „Herr Oba!“ schreit.
Nix tuat si, es is wia vernoglt,
da Mensch schreit „Kööna!“, dass ois woglt.
Waunn S’ „Kööna!“ schrein, des soit ma wissn,
hom S’ bei an Oba ausgeschissn!
Des geht a unsan Oba z’weit,
der losst si jetztan extra Zeit;
mit an beesn Blick zum Gost,
wäu, er sitzt hoit am längan Ost.
Da Mensch, zwor haaß, doch Hosnfuass,
gspiart, dass a d’Goschn hoitn muass.
Da Fisch wird brocht, da Mensch vagisst,
sogt freindlich „Daunk recht schee!“ – und isst.

Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 27. September 2011, 13:26:54
Gestern (Montag) in einem Beisl.
Ein Gast, der zur Zeit Strohwitwer ist, weil seine Frau auf Kur weilt, sagt zum Kellner:

Gast: "Zoihn, i muass haam, wäu mei Woschmaschin miassat scho fertig sei!"
Kellner: "Waunn host as'n eigschoit?"
Gast: "Am Saumstog!"
 :nein:
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 27. September 2011, 13:37:46
 :lol:
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Jack am 27. September 2011, 14:39:46
joo, miassat scho fertig sein.... ;D ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 29. September 2011, 13:20:46
Zu den größten Plagen jedes Beisls, gehört zweifellos die Musicbox! Man ist dem Musikgeschmack anderer ausgeliefert, was nicht immer lustig ist, wenn die dann noch glühende Verehrer von Claudia Jung sind!

Gast: "Wos mochst'n fir a Gsicht, gfoit da mei Musik net?"
Kellner: " Jo, oiso, äh ..."
Gast: "Na wos? Wüüst damit sogn, dass de Claudia Jung schlecht singt?"
Kellner: "Na jo, üba des kennt ma streitn, oba ihre Texte stimman net!"
Gast: "Wos haaßt, de Texte stimman net?"
Kellner: "Na jo, wos fir a Frau sendet scho STUMME Signale?"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Jack am 29. September 2011, 21:13:42
 :lol: :lol: :lol: :lol: stimmt, gibts nicht  :lol: :lol: :lol: :lol:
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 06. Oktober 2011, 15:02:44
Unlängst im Beisl:
Ein schon etwas betrunkener Gast sagt zum Kellner beim verabschieden: "I gib da heit de linke Haund zum vaobschiedn, wäu de rechte tuat ma a bissl weh." Darauf der Kellner: "Mir is des wurscht, wos du mir fir a Haund gibst, Hauptsoch du schleichst di!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 06. Oktober 2011, 15:06:09
Unlängst im Beisl:
Ein schon etwas betrunkener Gast sagt zum Kellner beim verabschieden: "I gib da heit de linke Haund zum vaobschiedn, wäu de rechte tuat ma a bissl weh." Darauf der Kellner: "Mir is des wurscht, wos du mir fir a Haund gibst, Hauptsoch du schleichst di!"

 ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Jack am 06. Oktober 2011, 16:07:45
 ;D ;D ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 11. Dezember 2011, 23:00:06
7 Uhr Früh im Beisl:

Fremder Gast aus Deutschland: "Sehr schönes Lokal haben Sie hier!"
Gast 2: "Wos hot a gsogt?"
Kellner: "Sehr schönes Lokal homma do!"
Gast: "Der dirft no net gaunz munta sei!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 12. Dezember 2011, 09:23:57
 ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Jack am 18. Dezember 2011, 14:46:25
 :lol:
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 22. Dezember 2011, 11:51:26
Gestern in einem Beisl:
Die Stammgäste des Lokals sprechen über ihre Kochkünste. Zu einem, der gerade sein Rindsschnitzelrezept erklärt hat wurde gesagt:

"Mmmm, des hurcht si oba guat au, bei dir daham muass's guat schmeckn!"
Darauf der Angesprochene geschmeichelt:
"Oba geh, so guat koch i wieda aa net."
Darauf seine Frau:
"Tua di net imma untan Scheffl stöön!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 22. Dezember 2011, 11:54:25
 ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 22. Dezember 2011, 11:56:53
Gestern zur Sperrstunde im Beisl:

Kellner: "Es is zwaa in da Fruah, schleich di endlich!"
Gast: "I geh eh scho haam."
Kellner: "Spät is's, soi i da a Taxi ruafn?"
Gast: "Na, i geh z'fuaß haam."
Kellner: "Firchst di net, dass d' übafoin wirst? Vur Weihnochtn san s' eh imma so deppat!"
Gast: "Na, vur an Übafoi fircht i mi net. Des aanzige vo wos i mi fircht is, dass mei Oide no munta is!"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Jack am 22. Dezember 2011, 13:08:38
 :lol:
Ja, des is di anzige Gfoahr!
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 22. Dezember 2011, 13:13:11
 ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 31. Januar 2012, 12:07:29
„Tua di net imma untan Scheffl stöön!“
hat mir schon sehr gut gefallen, aber die gestrige Version war auch ncht schlecht:
„Stöö dei Licht net untas Schaffl!“
wobei man vielleicht erklären muss, dass es sich bei einem Schaffl um ein Lavoir, also um eine Waschschüssel handelt.
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 31. Januar 2012, 12:10:30
 ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: fanferlieschen am 31. Januar 2012, 15:20:51
das mit dem lavoir oder schaffel passt biblisch schon - ein scheffel ist ein holzgefäß, bottich - der mann wusste also wovon er redet.
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 31. Januar 2012, 22:40:00
der mann wusste also wovon er redet.


Zum Teil hast du ja recht Fanferlieschen, wenn der Scheffel auch kein Bottich war, sondern eher einer Schaufel mit erhöhtem Rand und das Ding wurde als Maßeinheit für Getreide und Mehl verwendet. Das weiß ich ja eh, aber die Person (übrigens eine Frau), die das Schaffl als Scheffel verwenden will, wusste definitiv nicht, wovon sie redete.
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 26. Februar 2012, 21:49:11
Wochenende war wieder ergiebig, was Beislsprüche betrifft.

Gast 1: "I wort scho drei Wochn laung auf an Briaf vom Minista!"
Gast 2: "Des is no gor nix, i hob amoi zwaa Johr auf an Briaf vom Bundespräsidentn gwort!"
Gast 1: "Wos soit 'n grod dir da Bundespräsident schreibn?"
Gast 2: "Nau de Befürwortung fir de Weihnochtsamnestie!"

Erboste Ehefrau holt ihren Mann aus dem Beisl ab, weil er längst überfällig ist ...

Frau: "Hearst, du riachst jo noch Bier!"
Mann: "Na jo, noch wos soi i d'n sunst riachn, waunn i in gaunzn Tog im Wirtshaus huck?"
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 28. Februar 2012, 10:09:35
 ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: linguistkris am 28. Februar 2012, 10:51:24

Frau: "Hearst, du riachst jo noch Bier!"
Mann: "Na jo, noch wos soi i d'n sunst riachn, waunn i in gaunzn Tog im Wirtshaus huck?"

nach tschick doch wohl? :P
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Jack am 28. Februar 2012, 12:21:28
 ;D
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: fanferlieschen am 28. Februar 2012, 14:10:04

Frau: "Hearst, du riachst jo noch Bier!"
Mann: "Na jo, noch wos soi i d'n sunst riachn, waunn i in gaunzn Tog im Wirtshaus huck?"

nach tschick doch wohl? :P
aber doch nicht in österreich - haben wir nicht nichtraucherlokale mit ganz wenigen ausnahmen?
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: linguistkris am 28. Februar 2012, 14:42:52

Frau: "Hearst, du riachst jo noch Bier!"
Mann: "Na jo, noch wos soi i d'n sunst riachn, waunn i in gaunzn Tog im Wirtshaus huck?"

nach tschick doch wohl? :P
aber doch nicht in österreich - haben wir nicht nichtraucherlokale mit ganz wenigen ausnahmen?

dann war ich bei meinem letzten graz-besuch nur in ausnahmen. ;)
(ausser in der "scherbe" natürlich, die ist ja schon ganz lange konsequent frischluftig. :))
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 28. Februar 2012, 18:56:51
Schön, das über die Beislsprüche diskutiert wird!

Es gäbe noch so viele lustige Episoden darüber zu erzählen, was alles so passiert, wenn erboste Ehefrauen ihre Göttergatten aus dem Wirtshaus abholen kommen. Allein ich, mit meinen beinahe 27 Jahren im Gastgewerbe, wüsste Dutzende Geschichten darüber zu berichten. Leider stirbt mit den echten Wiener Beisln und seinen Originalen auch sehr viel Situationskomik aus. Eine kleine Episode, Ehefrau vs. Ehemann, muss ich doch noch erzählen. Sie gehört quasi zu meinen Favoriten, denn so viel Blitzreaktion und Kaltschnäuzigkeit hab selbst ich nicht oft erlebt!

Manchmal dauert die Einleitung länger, als die Geschichte selbst …

Sonntags im Rubensstüberl. Das muss ich vielleicht erklären. Das Rubensstüberl hieß nicht etwa so, weil der Besitzer ein großer Verehrer des berühmten Malers war, es war auch kein beliebter Treff zeitgenössischer Künstler und auch die Gäste waren jetzt nicht überdurchschnittlich beleibt, nein, das Rubensstüberl hieß nur deswegen Rubensstüberl, weil es sich in der Rubensgasse auf der Wieden, also im 4ten Wiener Gemeindebezirk befand. Heute beherbergt das ehemalige Rubensstüberl ein Warenlager – eigentlich schade! Jeden Sonntag trafen sich dort die Männer der unmittelbaren Umgebung zum sogenannten Frühschoppen, um Karten zu spielen. Ihre Frauen blieben zuhause und bereiteten das Mittagessen. Bitte, dieses Szenario soll jetzt keine, einem kranken Männergehirn entsprungene sexistische, was Rollenverteilung angeht, klischeebehaftete Wunschvorstellung sein. Gott bewahre! Es war früher einfach so! Die Männer mussten sonntags Karten spielen, denn sie konnten nicht kochen, Frauen mussten kochen, denn sie konnten nicht Karten spielen. Normalerweise lösten sich diese Kartenrunden so gegen 12 Uhr mittags auf, denn die Männer wollten ihre Frauen natürlich nicht mit dem Essen warten lassen, das gewöhnlich um 12:30 Uhr auf dem Tisch stand. An diesem Sonntag blieb aber eine einzige Kartenrunde, bestehend aus drei Männern, sitzen und spielte weit über die gewöhnliche Zeit weiter. Ach ja, ein kleiner Bub, in etwa 8 Jahre alt, blieb auch noch im Lokal. Das Telefon im Rubensstüberl läutete Sturm! Zu dieser Zeit gab es noch keine Handys, aber jede Ehefrau hatte die Telefonnummer des Stammbeisls ihres Mannes. Das mit dem Anrufen funktionierte damals folgendermaßen: Läutete das Telefon, sah der Wirt fragend in die Runde der Männer, ehe er abhob. Fast gleichzeitig mit diesem fragenden Blick erhoben sich einige Hände, begleitet von den Worten: „I bin net do!“ und der Wirt wusste, dass er der betreffenden Ehefrau vorzulügen hatte, dass ihr Mann schon auf dem Weg nach Hause sei. Ich brauche, glaube ich, nicht zu erwähnen, dass Wirte damals bei Ehefrauen nicht sehr beliebt waren – heute übrigens auch nicht, obwohl es Handys gibt und die Männer nun selber lügen. Aber ich schweife ab. Es war ca. 13:15 Uhr, als die Eingangstüre des Rubensstüberl aufging und eine bös dreinschauende Frau das Lokal betrat, die in beiden Händen ein kleines Reindl hielt, das mit einem Geschirrtuch umwickelt war, beim Wirt vorbeiging, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen und besagtes Reindl mitten auf den Kartentisch stellte, an dem noch die drei Männer saßen und spielten. Die plötzliche Stille im Lokal konnte man hören! Die Frau sagte zu einem der spielenden Männer, der offenbar ihr Ehemann war: „So! Wennst schon nicht zum Essn heimkommst, kannst gleich dableibn und mit deine Hawara essn! Sie fügte noch an: „Sei froh, dass ich da das Reindl nicht aufsetz!“ Habe ich schon erwähnt, dass man die Stille im Lokal hören konnte? Der Ehemann der Frau verzog keine Miene. Er hob den Deckel des Reindls auf, sah kurz hinein, stellte fest, dass es sich bei der mitgebrachten Speise um ein Gulasch handelte, setzte den Deckel wieder auf, nahm die Karten, mischte und begann sie auszuteilen. Seine Frau war fassungslos über so viel Gelassenheit, sie keifte ihren Mann an: „Was is? Passt da was net?“ Worauf er nur erwiderte: „Du host de Semmln vagessn!“ und weiterspielte. Die Frau schnappte den kleinen Buben, der sich als ihr Sohn herausstellte, den der Vater zum Frühschoppen mitgenommen hatte und verließ augenblicklich das Lokal.

Ja, wie gesagt, manchmal dauert die Einleitung der Anekdote länger als die Anekdote selbst, aber so entstehen meine Beislgeschichten. Ich glaube diese Geschichte ereignete sich 1974, denn damals war ich 8 Jahre alt, der kleine Bub im Rubensstüberl war ich. Der Ehemann wird dann wohl mein Vater sel. gewesen sein und die, zugegeben berechtigterweise, bös dreinschauende Frau, war wohl meine Mutter sel. …
Titel: Re:Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 29. Februar 2012, 10:18:47
 ;D  ;D  ;D

sehr schön erzählt ... und ja die Einleitung muss in dem Fall lang sein...
Titel: Re: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 08. März 2012, 12:32:23
Gast 1: "Wo gengan unsare gaunzn Fochorbeita hii, dass ma in Wien kaane hom? Ins Auslaund? I waaß net, oba so vüü Leit kennan de jo im Auslaund aa net brauchn!"
Gast 2: "Na oijo, des Auslaund is jo groß ... vüü greßa ois Östarreich!"
Titel: Re: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 08. März 2012, 13:03:45
 :lol:
Titel: Re: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: eligi am 10. März 2012, 18:27:31
jaja, das wusste auch H.Gorbach  ;D
Titel: Re: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 25. September 2012, 15:44:50
Gestern im Beisl:

Gast: "Heast, wia schreibt ma gaach Karussöö? Mit aan oda zwaa "S"
Kellner: "Mit zwaa "S" und mit zwaa "L"
Gast: "Wo warat 'n bei Karussöö auf amoi a "L" ?"
Kellner: "Schreib Ringlgspüü, du Trottl!"
Titel: Re: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: linguistkris am 25. September 2012, 16:35:31
jetzt würd' mich ja interessieren, ob der gast die letzte silbe wirklich als -ssöö geschrieben hätte, wenn ihm das l da so unglaublich erscheint.  ;D
Titel: Re: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: 72pizzi am 25. September 2012, 18:44:00
Gestern im Beisl:

Gast: "Heast, wia schreibt ma gaach Karussöö? Mit aan oda zwaa "S"
Kellner: "Mit zwaa "S" und mit zwaa "L"
Gast: "Wo warat 'n bei Karussöö auf amoi a "L" ?"
Kellner: "Schreib Ringlgspüü, du Trottl!"

 ;D
Titel: Re: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: Margaretner am 27. September 2012, 15:55:33
jetzt würd' mich ja interessieren, ob der gast die letzte silbe wirklich als -ssöö geschrieben hätte, wenn ihm das l da so unglaublich erscheint.  ;D

Er hätte, liebe Kris ... er hätte!
Titel: Re: Sprüche aus dem (Beisl) Alltag
Beitrag von: linguistkris am 27. September 2012, 16:29:29
hihi. :) mentale representation von schrift/rechtschreibung ist sooo spannend!!!